„Der Maler malt nicht für das Auge, sondern vermittels des Auges.“ (Otto Freundlich, 1934).
Otto Freundlich, 1878 in Stolp in Pommern geboren, war einer der ersten Vertreter der abstrakten Kunst. Er malte dieses Pastell „ohne Titel“ um 1938, zu einer Zeit, als Freundlich in Deutschland als „entarteter Künstler“ gebrandmarkt war. Der völlig mittellose Maler schuf damals Bildgestaltungen auf Papier, die eigentlich in Ölfarbe und größerem Format gedacht waren.
Das Museum für Kunst und Kultur konnte dieses Gemälde 2001 durch die finanzielle Unterstützung der „Freunde des Museums“ anlässlich des Geburtstages des damaligen Vorsitzenden Rolf Grewe erwerben.
Die Aussage des Bildes besteht aus den Verbindungen und Trennungen zwischen den mosaikartigen Feldern und ihren unterschiedlichen farbigen Intensitäten. Ihre Anordnung fügt sich zu keiner festen Struktur, sondern erscheint unregelmäßig, unruhig und kaum geordnet. So treten z.B. einige zeichenhaft abgesetzte schwarze Formzellen optisch hervor, vor allem zwei mit einer gerundeten Seite.
Otto Freundlich hatte in seinen Bildern und Zeichnungen von Anfang an die entgrenzenden und nach außen gerichteten Kräfte betont, die immer auch die Wahrnehmung einer festen Form zerstören.
Für Freundlich bedeutete das Gestalten von Formen immer ein Denken für die „Erleuchtung der Welt“. Übergangslos verband er das eine, die „Kräfte, die der Künstler zum Ausdruck bringt“, mit dem anderen, den „Kräften, die dem Menschentum gemeinsam sind“.